San Damiano
San Damiano liegt 20 km von Piacenza
und 80 km von Milano entfernt.

Die Seherin und ihre Familie

Rosa Buzzini, die Seherin, wurde am 26. Januar 1909 geobren. Ihre drei Schwestern traten in Orden ein. Muter Cherubine war Karmelitin in San Colombana, nahe bei Lucca. Mutter Anna wirkte als Missionarin in Ceylon und Mutter Pierina in Brasilien. Giuseppe Quattrini, der Ehemann von Mamma Rosa - so wurde die Seherin genannt - starb im Alter von 63 Jahren am 31. März 1971. Er war ein rechtschaffener Mann, in armen Verhältnissen geboren, der trotz seiner fleißigen Arbeit bis ans Lebensende arm blieb. Die außergewöhnlichen Geschehnisse um seine Frau, die das ganze Leben seiner Familie und insbesondere das seine verändern sollten, nahm er im Glauben an. Er wurde der Diener aller.

Das Ehepaar hatte drei Kinder: Giacomina, Paolo und Pier-Giorgio. Jede Geburt erfolgte mit einem Kaiserschnitt. Beim letzten Mal, als Pier-Giorgio 1952 geboren wurde, war die Lage noch schwieriger, da Mamma Rosa an einem Bauchfellbruch litt, was einen chirurgischen Eingriff von viereinhalb Stunden zur Folge hatte. Die Ärzte gaben Mamma Rosa keine Chance und schickten sie zum Sterben nach Hause.

 

 

Ein seltsamer Besuch

Am 29. September 1961, am Fest des Heiligen Erzengel Michael, klopfte kurz vor Mittag eine unbekannte Frau in der Tracht der Bäuerinnen der Gegend an die Tür von Mamma Rosas Haus. Tante Adele, die sich um Haus und Hof der kranken Rosa kümmerte, öffnete die Tür. "Ich komme, um Almosen für Pater Pio zu sammeln", sagte die Besucherin. "Viel oder wenig, etwas habe ich immer gegeben", antwortete Adele, "aber diese Mal ist es mir unmöglich." "Warum?" "Weil ich nicht kann, Giuseppe ist krank und Rosa noch kränker. Im Augenblick haben wir insgesamt nur 1000 Lire und die sind geliehen." Sie nahm neben mir Platz, erzählte Tante Adele, und ich habe ihr alles erklärt. Die junge Frau begab sich daraufhin zu Rosa und fragte sie: "Hast du Vertrauen zu Pater Pio?" "Ja, ich habe großes Vertrauen zu ihm! Ich bitte ihn schon seit einiger Zeit, aber ich bin noch immer nicht geheilt." "Wenn du Vertrauen zu Pater Pio hast, wird er dich heilen." In diesem Augenblick läutete es zu Mittag und die Dame sprach: "Beten wir den Engel des Herrn." Sie wandte sich zu Rosa und fügte hinzu: "Nun, steh auf!" "Ich kann nicht aufstehen, ich habe zu starke Schmerzen." "Gib mir beide Hände", befahl die Dame. Daraufhin erhob sich Rosa und beide beteten den Engel des Herrn. Nach dem Angelus sagte die Dame: "Nun beten wir fünf Vater Unser, Ave und Gloria nach der Meinung von Pater Pio zu Ehren der fünf Wunden unseres Herrn." Indessen berührte die Dame mit den Händen Rosas Wunden, die sich sofort schlossen. Nach einigen Arbeiten auf dem Bauernhof kehrte Tante Adele in die Küche zurück. Rosa spülte das Geschirr. "Aber was tust du, Rosa? Ich wasche doch das Geschirr, nicht du!" Da fiel sie mir um den Hals und sagte mir, während sie mich umarmte: "Aber Tante, ich bin geheilt!" "Du willst in einem Augenblick geheilt worden sein? Du wirst gesund werden, aber..." "Ja, ja, aber ich bin geheilt. Tante, mir fehlt überhaupt nichts mehr"

 

 

Bei Pater Pio

Im Frühjar 1962 begab sich Mamma Rosa mit einer Diözesanwallfahrt unter geistlicher Leitung ihres Pfarrers Don Edgardo Pellacani nach San Giovanni Rotondo, einem Kloster in der Provinz Foggia im äußersten Süden Italiens. Dort lebte bis zu seinem Tode am 23. September 1968 Pater Pio, ein stigmatisierter Kapuziner, zu dem Gläubige aus ganz Europa eilten. Er war ein berühmter geistlicher Führer, der insbesondere die Gabe der Seelenschau hatte. Am Samstagmorgen, während Mamma Rosa den Rosenkranz auf dem Kirchplatz betete, hörte sie plötzlich: "Rosa, Rosa!" Sie sah sich um und bemerkte mit einiger Überraschung die Dame mit dem himmelblauen Kopftuch. "Erkennst du mich wieder?" "Ja", erwiderte Rosa, "ihr seid die Gottesmutter, die mich geheilt hat." "Ich bin die Mutter des Trostes und der Betrübten. Sag es doch in San Damiano auch dem Professor, der nicht an deine Heilung glauben wollte. Nach der Heiligen Messe werden wir uns am Heiligen Tisch wiederfinden und ich werde dich zu Pater Pio begleiten." So geschah es. Nach der Ankunft bei Pater Pio entschwand die Muttergottes, ohne eine Spur zu hinterlassen. Ohne sich über den Vorfall und die Verabschiedung aufzuregen, empfing Pater Pio Mamma Rosa und trug ihr auf, den Kranken, vor allem in geistlicher Hinsicht, zwei Jahre lang beizustehen. Dann ging er neben ihr zum Platz vor dem Krankenhaus. Bevor die zwei Jahre um waren, kehrte sie nach Hause zurück, weil Tante Adele an einer Bronchitis mit Lungenentzündung erkrankt war. Rosa informierte Pater Pio. Dieser trug ihr in seiner Antwort auf, ihre Tante zu pflegen und sich nunmehr um die Ihren zu kümmern. Er fügte hinzu: "Danach wirst du ein großes Ereignis sehen."

 

 

Die erste Erscheinung auf dem Birnbaum

Nach Hause zurückgekehrt, vertraute Rosa einer vertrauenswürdigen Freundin an, die Muttergottes werde zurückkehren und die Menschen würden herbei eilen, um von ihr Rat zu empfangen. Ihre tiefe Frömmigkeit, die Rosa in ihren schmerzvollen Lebensprüfungen gestärkt hatte, äußerte sich darin, dass sie ein regelmäßiges Gebetsleben führte und täglich in ihrer kleinen Pfarrkirche dem heiligen Messopfer beiwohnte. Rosa hatte auch ihrem Pfarrer dreimal mitgeteilt, dass die Dorfkirche eines Tages die herbeiströmenden Gläubigen nicht mehr fassen könne. Jener hatte erwidert, dass das Dorf nur 150 Einwohner zähle und die Kirche immerhin fast 300 Plätze habe. Dennoch sollte Don Pellacani jene Vorhersage anno 1967 verwirklicht sehen.

Am 16. Oktober 1964 befand sich Rosa allein zu Hause. Niemand war da, auch Tante Adele nicht, die die Tochter von Mamma Rosa besuchen ging, welche damals im Dorf Centovera wohnte.

Eben läutete es zu Mittag vom Kirchturm und Rosa betet den Angelus. Da hörte sie von draußen eine Stimme: "Komm heraus, komm heraus!" Da sie nicht wusste, wer sie rief, wollte Rosa zunächst ihr Gebet beenden. Da ließ sich die Stimme ein weiteres Mal vernehmen: "Komm, komm heraus, ich erwarte dich." Der Ruf kam vom Nachbargarten. Aus Furcht vor einer List des Bösen nahm Rosa ihren Rosenkranz in die Hand und trat vor die Tür. Gleichwohl war sie innerlich fast schon vom Gegenteil überzeugt, denn die Stimme war so schön, so lieblich gewesen. Als sie in die Mitte des Hofes trat, sah Rosa, wie eine Wolke vom Himmel herab kam und sich auf dem Pflaumenbaum niederließ. Diese Wolke strahlte vor Licht, war mit goldenen und silbernen Sternen übersät und voller bunter Rosenblätter.

 

"Ich sah noch niemenden", berichtete Rosa, "aber ich empfand eine große Freude im Herzen, setzte mich auf einen Stuhl und begann zu beten. Kurz darauf trat aus der Wolke eine große, rote Kugel und ließ sich auf dem Birnbaum nieder. Dann verschwand die Wolke und sichtbar erschien allein die Muttergottes, eingetaucht in ein lebendiges Licht. Ihren Händen entströmten Lichtstrahlen voller Rosenblätter, die auf die Erde fielen. Die Muttergottes war mit einem blauen Gewand angetan, mit einem großen, weißen Mantel und einem weißen Gürtel. Als ich einen solchen Glanz sah, rief ich die himmlische Mutter: "Ich bin nicht würdig, dass du so zu mir kommst, aber sprich nur ein Wort und ich werde dich hören." Das Antlitz der allerseligsten Jungfrau war überaus traurig und ich begann zu weinen und bat sie um Verzeihung für mich, für meine Angehörigen und für die ganze Welt. Sie blickte zu mir, sah mich an, sagte aber noch nichts. Ich begann den Rosenkranz zu beten. Da lächelte sie mir zu und sagte:

 

"Meine Tochter, ich komme von sehr weit her. Sage der Welt, dass alle beten müssen, denn Jesus kann das Kreuz nicht mehr tragen. Ich möchte, dass alle gerettet werden, die Guten und die Bösen. Ich bin die Mutter der Liebe, die Mutter aller. Ihr seid alle meine Kinder. Deshalb wünsche ich, dass alle gerettet werden. Daher bin ich gekommen, um die Welt zum Gebet zurückzuführen, denn die Züchtigungen sind nahe. Ich werde jeden Freitag kommen und dir Botschaften geben und du musst sie der Welt bekanntmachen."

 

Daraufhin habe ich ihr gesagt: "Aber wie wird man mir Glauben schenken? Ich bin nur eine arme, unwissende Bäuerin. Man wird mich ins Gefängnis werfen." Sie antwortete mir: "Fürchte dich nicht, denn ich werde jetzt für dich ein Zeichen hinterlassen. Du wirst sehen, dieser Baum wird blühen."

 

Die allerseligste Jungfrau entschwand und sogleich, sagt Mamma Rosa, war der Birnbaum mit Blüten überdeckt, so dass man die Blätter fast nicht mehr sehen konnte. Er trug noch Früchte, die Ernte dieser Birnenart erfolgt zu später Jahreszeit.

Ein Ast des Pflaumenbaumes, den die Muttergottes leicht berührt hatte, blühte am folgenden Tag.

Trotz der herbstlichen Regenfälle blieben die Blüten drei Wochen auf den beiden Bäumen und Tausende haben sie so gesehen.

 

Dies war der Anfang der Geschehnisse von San Damiano..........

 

Quellenverzeichnis:

Aus dem Büchlein "San Damiano – Geschichte und Gebete", Parvis-Verlag, 4. Auflage 2014